Berichtet von Evamaria Gröger                                                                               20.02.2019

 

In der Vortragsreihe der Seniorenakademie Neuenhagen referierte Frau Professor Dr. Christa Luft zum Thema:

 

" Deutschland ist Exportüberschussweltmeister - kein Grund zum Jubeln" 

Nach langjähriger Lehr- und Forschungstätigkeit im In- und Ausland zu Außen- und Weltwirtschaft wurde Frau Professor Luft im Oktober 1988 zur Rektorin der Berliner Hochschule für Ökonomie berufen. Mit einem Wissenschaftlerkollektiv arbeitete sie an Grundzügen einer DDR-Wirtschaftsreform. In der Wendezeit wurde ihr das Amt einer stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates für Wirtschaft angetragen, das sie bis zu den Volkskammerwahlen am 18. März 1990 ausübte. Bis zum 3. Oktober 1990 war sie Abgeordnete der frei gewählten Volkskammer und 1994 sowie 1998 hatte sie ein Direktmandat für die damalige PDS im Deutschen Bundestag gewonnen, wo sie bis 2002 deren wirtschaftspolitische Sprecherin war. In der Folgezeit war sie vor allem als Publizistin tätig.

 

Frau Professor Luft war, wie mir persönlich auch, vielen Hörerinnen und Hörern der Senioren- Universität bekannt. Einige hatten an der Hochschule für Ökonomie in Berlin Karlshorst studiert und Vorlesungen bei ihr belegt; Bekannte, ehemalige Mitarbeiter und viele Interessierte waren erschienen. So wurden der Vortrag und die Referentin von den Anwesenden mit Spannung erwartet. Ihr Ausgangspunkt: Der Exporterfolg der Bundesrepublik beruht vor allem auf weltweit geschätzter Ingenieurskunst, hoher Qualifikation der Fachkräfte, geschätztem Service und dank hoher Arbeitsproduktivität relativ günstigen Angebotspreisen. Nicht daran ist Kritik zu üben, sondern daran, dass sie seit Einführung des Euro permanent extreme Exportüberschüsse hat, Exportüberschuss- weltmeister ist also ständig viel mehr exportiert als importiert. Das hat Folgen: Für das eigene Land, weil Überschüsse Export von Kapital darstellen, das im Inland für Investitionen fehlt. Und für die Abnehmerländer, die sich mangels Erlösen aus eigenen Warenexporten verschulden müssen. Sie häufen Verbindlichkeiten gegenüber Deutschland an, die sich entwerten können. Deshalb sind dauerhaft hohe Überschüsse nicht zum Jubeln. Nachdem Internationaler Währungsfonds und die EU-Kommission diesen die internationalen Beziehungen destabilisierenden Zustand seit langem erfolglos kritisieren, greift Donald Trump wegen horrender Defizite der USA u.a. gegenüber China und Deutschland zu Zollerhöhungen, um Importe von dort zu erschweren. Ein Handelskrieg droht.Der Ausweg kann nicht darin liegen, dass die Überschussländer ihrerseits Importzölle erhöhen. Deutschland muss anderen Ländern mehr Güter und Leistungen abkaufen und im Inland die Kaufkraft durch Lohn- und Rentenerhöhungen stärken. Das setzt eine auf gesamtgesellschaftliche Belange gerichtete und nicht nur an einzelwirtschaftlichen Interessen orientierte Politik voraus.

Nach dem Ende des Vortrages wurden, wie üblich, Fragen gestellt. So z.B. zur finanziellen Abwicklung von Forderungen und Verbindlichkeiten im Euro-Raum, zur Wirkung der westlichen Wirtschaftssanktionen gegenüber Russland oder zum bedingungslosen Grundeinkommen. Das Resümee dieser Veranstaltung: Die Referentin hat uns die weltweite und innerdeutsche Wirtschaftssituation näher gebracht. Der Inhalt des Vortrags war für viele der anwesenden "Nichtökonomen" anspruchsvoll, aber für alle verständlich vorgetragen.

Ein herzlicher Applaus beendete den interessanten Nachmittag. 

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