Wappen von SwiebodzinDie Vergangenheit der 700-jährigen Stadt Swiebodzin/Schwiebus ist vielfältig mit der polnischen und mit der deutschen Geschichte verflochten, da sie als Grenzstadt jahrhundertelang unter Einflüssen von Ost und West stand. Ihre zentrale Lage am Schnittpunkt der Wege zwischen Großpolen, Brandenburg, Schlesien und Pommern prägte sich sowohl negativ in Überfällen, Truppendurchzügen und politischen Verwirrungen als auch positiv in viel begangenen Handelsstraßen und weit reichenden
Kontaktmöglichkeiten aus.

Dies begünstigte den Handel und das Handwerk. Weit bekannt war die hiesige Tuchmacherei. Selbst der polnische Nobelpreisträger Sienkiewicz kleidet im berühmten Roman „Trylogia“ einen seiner Helden in ein Kleidungsstück aus dem Schwiebuser Tuche.
 
Infolge der Schlesischen Kriege verleibte König Friedrich II. im Jahre 1742 das Schwiebuser Land Preußen ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die Großmächte in Potsdam, die Gebiete östlich der Oder und Neiße an Polen anzugliedern.

Die Anfänge der Stadt sind unbekannt. Sicherlich gab es hier 100 vielleicht 200 Jahre vor dem Jahr 1302 schon eine Siedlung. Ob es eine Grenzfeste, ein Marktflecken oder eine Agrarsiedlung war, wurde leider noch nicht ermittelt.

Das Schlüsseldatum für Swiebodzin/Schwiebus ist das Jahr 1302. In diesem Jahr hat der Abt des Zisterzienserklosters in Paradies/Paradyz den Grafen Bogus von Wessemberg für die Zeit seines Lebens mit einem Gut belehnt. In der Urkunde, die dieses Ereignis bestätigt, findet sich der Name des Ritter Gniewomir aus Suebusium. Man nimmt an, dass das damalige Schwiebus dem Ritter Gniewomir vom Fürsten verliehen wurde und sein Eigentum gewesen war. Diese Urkunde aus dem Jahre 1302 ist daher grundlegend für die
Schwiebuser Geschichte, weil dort der Name Suebusium zum ersten Mal erwähnt wurde.

Im Jahre 1335 erhielt Schwiebus die deutschen Stadtrechte. Die günstige Verkehrslage und die zahlreichen herzoglichen und fürstlichen Privilegien haben zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt erheblich beigetragen. Die Bürger errichteten eine schöne Kirche aus Backstein, ein neues Rathaus mitten auf dem Marktplatz und eine sieben Meter hohe Wehrmauer mit zwölf Basteien und zwei Toren um die Stadt. Manchmal jedoch warfen Pest, Krieg und Brand die Stadt in ihrer Entwicklung zurück.
 

Das Rathaus war Sitz des Bürgermeisters, des Stadtrates und des Gerichtes. Ursprünglich war es ein hölzernes, später, seit etwa 1300, ein gemauertes Gebäude mit schönen Feldsteingewölben, die noch heute im Keller zu betrachten sind. Nach dem großen Brand von 1541 erhielt es das dritte Schiff und zwei Türme: den „Zeigerturm“ und den heute noch bestehenden „Pfeiferturm“. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Rathaus noch mehrmals umgebaut.

Die Stadt war durch ihre Tuche bekannt. Wolle lieferte die eigene Schafzucht, doch sie wurde auch im Klostergut Paradies, in Schlesien und in Großpolen angekauft. Die fertigen Tuche führte man nach Polen, Böhmen, Ungarn, Sachsen und Brandenburg aus. Die hiesige Tuchmachergilde besaß sogar ein eigenes Warenhaus in Gniezno/Gnesen, um den Tuchen nach Thorn, Danzig und Elbing Absatz zu verschaffen. Die Wollwaage, die für die Tuchmacher immer von großer Bedeutung war, befand sich lange Zeit im Rathaus und im 18. Jhd. erhielt sie sogar ein eigenes Gebäude.

 
 
Die Bierherstellung war das zweitwichtigste Gewerbe der Stadt. Im 17. Jhd. waren unter anderem zwei große Brauereien tätig. Die erste befand sich unweit der Kirchstraße und die zweite dicht am Marktplatz.
 
 
 
Diese gehörte der Familie Peschel. Nebenan gab es eine Bierstube, in der das weitbekannte Bier „Peschel- Gold“ ausgeschenkt wurde.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ebenfalls bekannt waren andere Schwiebuser Familien wie Haase, Eckert und Berger. Ein Vertreter der letzteren, Karl Berger, erhielt seinen Meisterbrief als Schlosser und Schmied beim Adam Opel, dem Gründer des K onzerns Opel. Karls Sohn Otto errichtete in Schwiebus im Jahre 1925 die erste Vertretung der Firma Opel östlich der Oder.
 
Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Stadt nur geringe Schäden. Die polnischen Umsiedler aus dem ehemaligen Ostpolen, teilweise auch aus Zentral- und Großpolen brachten in die Stadt neuesLeben. In den ersten Transporten kamen Eisenbahner, Bauern und Handwerker, die die Stadt wieder belebten und entwickelten verschiedenes Gewerbe wie Maschinenbau, Holzindustrie, Möbelherstellung und Nahrungsmittelindustrie.

Nach der Wende im Jahre 1989 trat die Stadt auf den Weg der Umwandlung in die Marktwirtschaft und in die neue Selbstverwaltung ein. In den letzten Jahren entstanden neue Betriebe und Unternehmen, nicht selten mit bedeutendem Anteil ausländisches Kapitals.

Die neueste Geschichte der Stadt, in Hinblick auf den sich nähernden Eintritt Polens in die Europäische Union, wird auf neuen freundschaftlichen Grundlagen und in
partnerschaftlichen Beziehungen zu europäischen Staaten und Städten gebaut. Die vergangenen Jahrhunderte beweisen, dass Swiebodzin/Schwiebus immer offen war und offen geblieben ist.

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